UTE, DIE GUTE

Rottstr 5 Theater in Bochum | UTE, DIE GUTE [Fotos © Birgit Hupfeld]

MICHAEL LIPPOLD

 

PREMIERE DER URAUFFÜHRUNG: 05. OKTOBER 2011



ute, königin von burgund: karin moog
neidhard, ein diener / hagen von tronje: felix lampert
etzel, könig der hunnen: thomas anzenhofer  

regie: michael lippold
bühne und kostüme: michael lippold
assistenz: lydia dykier, michael schlothane
 


Nennung für den Nibelungen-Zyklus als wichtigstes neues deutschsprachiges Stück in der Kritikerumfrage 2011 von THEATER PUR

   

Wer spricht von denen, die übrig blieben? Die das Etzel-Gemetzel überlebten? Ute ist noch da. Ute, die Mutter von Kriemhild, von Gunther, Gernot und Giselher. Man weiß nicht viel von ihr, vielleicht noch, dass sie ihrer Tochter damals den berühmten Falken-Traum deutete: „Der valke den du ziuhest, daz ist ein edel man: / In welle got behüeten, du muost ihn schiere vloren hân.” („Der Falke, den du dir ziehst, das ist ein edler Mann: / Wenn Gott ihn nicht behüten wird, wirst du ihn schnell wieder verlieren.”) So viel zu Siegfried. Danach aber ward nicht mehr viel von ihr gehört. Und gesehen schon gar nicht. – Die Uraufführung UTE, DIE GUTE verschafft dieser Mutter aller Könige endlich den großen Auftritt. Starr und stark und scharfzüngig hat Ute (fast) alle überlebt. Im Versteck, in ihrem Bunker in Burgund. Man weiß nicht, wie lange sie dort schon ausharrt. Sie trinkt viel, Burgunderwein, natürlich. Und so könnte es ewig weiter gehen. Wenn nicht der Einmarsch der Hunnen drohte. Die alte Festung Europa steht nicht mehr, Worms, die letzte Bastion des Westens, ist umlagert vom Feind aus dem fernen Osten. Und nicht nur das. Auch in ihrem eigenen Reich will man Ute an die Wäsche. Denn sie hat etwas, das immer noch Begehrlichkeiten weckt: den Gürtel der Brunhild! Deren Gefolgsleute wollen das Allmacht verheißende Kleidungsstück um jeden Preis zurück. Doch nur Ute weiß, wo es sich befindet. Wird sie das Geheimnis mit ins Grab nehmen? Welche Rolle spielt der junge Diener, der Ute nicht von der Seite weicht? Und wie war das eigentlich damals wirklich, als Hagen Ute, nun ja, vor die Füße kotzte? – UTE, DIE GUTE erzählt die nie zuvor gehörte Vorgeschichte allen Übels und das ungeahnte Ende aller Wormser Tage. In einer Nacht im Bunker spielt sich ein skurriles Psychodrama ab, rund um eine Frau, die von den Nibelungen mehr als ein Lied singen kann. Prost!


    
pressestimmen   

Mit der guten Ute wird die Königin von Burgund ins 21. Jahrhundert katapultiert - inklusive Quarkmasken, Tetrapack-Wein und Global Players. (Ruhr Nachrichten)

In Quarkmaske und Morgenmantel gibt Karin Moog zu Beginn die Kassandra des 21. Jahrhunderts wie eine von Schmeißfliegen umschwirrte Untote, wie eine ägyptische Mumie in Gottesanbeterin-Stellung. (Herner Sonntagsnachrichten)

Kein Zweifel, eine Diva, ein Star, nur etwas abgehalftert. Doch mit Grandezza erzählt sie fortan ihre Geschichte. Die von „Ute, Utilein, Muttilein, Mutti, Mutter“. Die des Muttertiers der Nibelungen. In Michael Lippolds Stück ist diese Geschichte verwoben mit einer verbotenen Liebesgeschichte mit Hagen von Tronje. (WAZ)

Karin Moog verkörpert in einem faszinierenden Parforce-Ritt diese Ute, mal in Rückblenden als junge Frau, dann als zynisch-gerissene alt gewordene Femme-Fatale. Ihr zur Seite Felix Lampert, der als ihr Diener Neidhart und als Hagen von Tronje eine Doppel(gänger)rolle absolviert. (WAZ)
    
Karin Moog in ihrer bisher besten Bochumer Rolle. (Herner Sonntagsnachrichten)
    
Gemeinsam mit Felix Lampert entstaubt Karin Moog das Nibelungenlied mit einer skurrilen und amüsant überzeichneten Darstellung der Anziehungskraft zwischen Hagen und Ute. (Ruhr Nachrichten)

„Wo sind unsere Werte hin? Alle versenkt im Rhein“, stammelt Ute vor sich hin, während sie einen Rotweinverschnitt direkt aus dem Tetrapack hinunter stürzt. Dabei kreischt und zetert sie und flucht auf ihre Tochter Kriemhild, die sich mit dem Mongolen Etzel eingelassen habe. Nun steht Etzel vor den Toren Worms, um die Stadt mit seinen Mannen niederzutrampeln. (Ruhr Nachrichten)

Die übergroße Ute-Figur (hat) Autor und Regisseur Lippold an den Diven und mächtigen Frauenfiguren des 20. Jahrhunderts entlang gebaut. Die Knef, die Dietrich, Jackie Kennedy und sogar Carla Bruni stehen Pate. Das Leben von mythischen Figuren hat Glamour, Glamourstars neigen dazu, Mythen zu werden. Diesen Prozess bebildert diese Inszenierung bunt, grell und lustvoll. (WAZ)

Es macht viel Spaß den beiden zuzusehen, wie sie sich schauspielerisch fulminant durch Zeiten und individuelle Lebensalter bewegen, unterstützt durch Licht- und Sound-Stimmungen, die das Team der Rottstraße inzwischen virtuos auf die begrenzten Verhältnisse abgestimmt hat. Da scheint kaum mehr Spielraum nach oben. (WAZ)

Utes hellseherische Fähigkeiten und das Ringen um ihren magischen Gürtel sind dabei nur der Liebe zum Original geschuldetes Beiwerk. Viel spannender sind die zwischenmenschlichen Spannungen, die Lippold in seiner Fassung des Nibelungenlieds herausgearbeitet hat. Das Publikum zeigt sich bei der Premiere begeistert und vor allem amüsiert von der guten Ute. (Ruhr Nachrichten)

Ute, die Gute, bekommt in ihrer Gruft mit den goldenen Kühlschränken am Ende Besuch von Etzel, doch die Diva ist längst woanders. Großer, sehr langer Jubel. (WAZ)

Mit überbordender Fabulierfreude des Rott5-Hausdramatikers Michael Lippold sind neunzig so spannende wie kurzweilige und immer auch ein wenig (selbst-)ironische Minuten um. Das erste veritable Theaterstück als neunter Teil der Bochumer NIBELUNGEN-Reihe überzeugt nicht nur, aber auch dadurch, dass es eine Geschichte von A bis Z erzählt und damit den Reigen im Übrigen durchaus sehenswerter Bruchstücke um eine neue Facette bereichert. (Herner Sonntagsnachrichten)