EIN TOTENGEBET


11. NOVEMBER 2012

»Wenn einer dein Bett aus dem Saal schiebt, wenn du siehst, dass der Himmel grün wird, und wenn du dem Vikar die Leichenrede ersparen willst, so ist es Zeit für dich, aufzustehen, leise, wie Kinder aufstehen, wenn am Morgen Licht durch die Läden schimmert, heimlich, dass es die Schwester nicht sieht - und schnell.«
 
In den ihren letzten Minuten versucht eine junge Frau, den größten Fehler ihres Lebens rückgängig zu machen, und beschließt, wieder aus dem Sarg aufzustehen, um ihr Leben nochmal zu leben. Die Todesstunde wird zur Stunde der Geburt.

Was wäre, wenn es möglich wäre, die Zeit zurück zu drehen und sich von aller Schuld frei zu machen? Und wie weit muss ich zurück gehen, bis das Leben aufhört weh zu tun?
 
 
mit Janina Sachau
 
Musik: Daniel Brandl (live)

Regie: Kerstin Krug

Kostüm:
Claudia Radowski

 

 

PRESSESTIMMEN

»Bereits der Auftakt gestaltet sich in der Bochumer Inszenierung eindrucksvoll, findet Janina Sachau doch genau den richtigen Ausdruck, um die Zuschauer von Beginn an in ihren Bann zu ziehen. Ihr Spiel ist dabei immer so eindringlich, dass man sich schnell der Figur auf der Bühne nahe fühlt und mitleidet. Zugleich wahrt das Stück durch den Einsatz von Musik und das Geräusch eines pochenden Herzens immer wieder genügend Distanz, um nicht in den Tragödienkitsch abzugleiten.«

Benjamin Hahn, RuhrNachrichten, 12. Oktober 2012

»Über nicht mehr und nicht weniger als das ganze Leben, das am inneren Auge vorbeiziehe in den letzten Momenten vor dem Tod, geht es in Ilse Aichingers „Spiegelgeschichte“. Janina Sachau, Ensemblemitglied des Düsseldorfer Schauspiels, verleiht der Protagonistin dieses Textes in einem Monolog im Theater Rottstraße Stimme und Leben.
In 60 intensiven Minuten entspinnt sich in Schlaglichtern ein kurzes Frauenleben, von der Geburt über die Kindheit, die erste Liebe, das Unglück, bis zum viel zu frühen Tod. Nur rückwärts erzählt. Als könne man wie beim Spielzeugauto einmal rückwärts durch die eigene Existenz fahren. Und diesmal schlauer sein? Vielleicht andere Abzweigungen nehmen?
In der Inszenierung von Kerstin Krug wird kein elender Ton angeschlagen, keiner Verzweiflung nachgegeben. Die Erzählerin durchlebt ihr Leiden lakonisch, ironisch und gegebenenfalls schlicht wütend. Eine starke Frauenstimme, anklagend und präzise: „Die ist ganz nüchtern von dem vielen Schnaps, die Alte. Die träumt nicht von den Ungeborenen.“ heißt es einmal über die verhängnisvolle „Engelmacherin“. Oder auch über den unglücklichen Geliebten - verliebt gespielt unter einem rosaroten Regenschirm - „Gib acht, jetzt beginnt er bald von der Zukunft zu reden, von den vielen Kindern und vom langen Leben, und seine Wangen brennen vor Eifer. Sie zünden auch die deinen an.“
Sachaus Solo lässt den Text sprechen, wenige Requisiten und Kostüme illustrieren ebenso hübsch und einfallsreich wie einfach die Geschichte.
„Ein Totengebet“ ist ein starker Abend, der dank einer furiosen Darstellerin große Fragen sehr leise und poetisch stellt.«

Tom Thelen, WAZ, 12. Oktober 2012