AMPHITRYON

amphitryon im rottstr5 theater bochum

nach Heinrich von Kleist
in einer Fassung von Karoline Behrens

Alkmene: Jessica Maria Garbe
Amphitryon: Julian Hackenberg
Jupiter: Felix Lampert

Regie: Karoline Behrens
Ausstattung: Kim Zumstein
Assistenz: Christian Freund, Thomas Kaschel
Hospitanz: Jasmina Dittrich
Fotos: Birgit Hupfeld

Premiere: 12. Dezember 2012

Eh will ich irren in mir selbst!
Ist diese Hand mein?
Diese Brust hier mein?
Gehört das Bild mir, das der Spiegel strahlt?
Es wäre fremder mir, als ich!
Alkmene

Amphitryon liebt Alkmene. Alkmene liebt Amphitryon. Jupiter will auch mal lieben. Jupiter ist Amphitryon ist Alkmene ist – Liebe? Love is all around. Doch:
Wenn das licht aus ist und wenn ich zufällig weder das kleine grüne pferd noch das rote männchen, jene zwei vertrautesten unter meinen hypnotischen kreaturen, herbeigerufen habe, dann bediene ich mich unweigerlich meiner anderen figuren, um meine erinnerungen und meine sehnsüchte soweit wie möglich zu komplizieren, zu erleuchten oder zu verwirren.
Und:
Ich kann nicht in dir zum frieden kommen, solange ich einen fremden, ob tot oder lebendig, in dir weiß. Warum hast du mich zu einem totentanz eingeladen und willst, dass ich stumm stundenlang dir zusehe, wie du, geistiger sklave, dem rhythmus des mannes gehorchst, der dir fremd war und sein muss und mir, und wissen, dass jede silbe des werkes dich aushöhlt, geistig und körperlich.
Denn:
Ich liebe dich und ich halte dich, was weißt du, wer du bist und wo du bist. Wir haben die grenzen nicht in uns selbst.

 

Pressestimmen 

»In 65 Minuten werden die Figuren einer Achterbahnfahrt der Gefühle ausgesetzt: auf den buchstäblichen Höhepunkt folgt suizidale Depression, auf verliebtes Rummachen folgt rasende Eifersucht, im Minutentakt werden die Liebe und ihre Phänotypen durchdekliniert. Dass das Publikum diesem Tohuwabohu an purer Emotionen überhaupt folgen will, liegt an den guten Darstellern genauso wie an der souveränen Regie, die den begrenzten Raum des Off-Theaters virtuos zu nutzen weiß.

Nichts macht einen Mann einsamer, als das leise Lachen einer Frau am Ohr eines anderen. Hier könnte Karoline Behrens‘ tolle Inszenierung enden, doch die Regisseurin setzt „noch zwei“ drauf. Das hat Methode, denn Behrens hat den Kleist-Stoff einerseits bis auf die zentrale Dreiecksgeschichte skelettiert, andererseits mit Fremdtexten und Musikzitaten ordentlich unterfüttert.
Eine feministische, eine konservative Deutung? Vorsichtig ja: eine superstarke Frau, eine Absage an die freie Liebe. Doch vielmehr ist Amphitryon eine souverän-intellektuelle Inszenierung, die trotzdem sehr poetisch und bildstark daher kommt.
[5 Sterne]«

Tom Thelen, WAZ, 14. Dezember 2012


»Der Zuschauer hat es gleich zu Anfang mit drei Sehnenden zu tun. Alkmene sehnt sich nach der Rückkehr ihres Mannes Amphitryon, der als Feldherr im Krieg war. Nach fünf Monaten oder fünf Jahren – nach einer gewissen Zeit des Wartens wirkt alles wie die Unendlichkeit – sind ihre Erwartungen ins Unermessliche gestiegen. Natürlich sehnt sich auch Amphitryon nach Alkmene.

Genau wie Gott Jupiter, der nicht nur ehrfürchtige Anbetung will, sondern die ganz reale Liebe eines Menschen. Karoline Behrens lädt die Liebesschwüre mit drängender Musik auf. Von Beginn an übt die Inszenierung so einen unwiderstehlichen Sog aus.

Dafür, dass der Abend an Tempo und Intensität nicht verliert, sorgen die tollen Darsteller, die sich in einem gelungenen Bühnenbild die knappe Textfassung zu eigen machen. Vor allem Jessica Maria Garbe, die zum ersten Mal auf der Bühne der Rottstr5 steht, gibt eine herausragende Alkmene zwischen Melancholie, Leid, Verwirrung und überraschender Stärke.

Ebenfalls seine Premiere im Off-Theater feierte Julian Hackenberg, dessen Amphitryon sich sein Bild von der Realität ganz neu zusammenpuzzeln muss. Gewohnt gut ist Felix Lampert als Jupiter. Am Ende tollen alle gemeinsam über die Bühne, die Matratzenlager, Himmelbett und flauschige Show- und Stolpertreppe ist. Ein schönes Bild, das großen Applaus herausfordert.«

Max Florian Kühlem, RuhrNachrichten, 14. Dezember 2012