Fliegende Eier von Sarajevo

eine Familienrecherche von Senita Huskić & Fabienne Dür

Fr

"Meine Eltern haben wieder 100 Kilo Gemüse auf dem Markt gekauft, als wenn es in Deutschland kein Gemüse geben würde. Das ganze Auto stinkt nach Paprika. Ich mag Paprika, aber das ist zu viel."

Im Zentrum des Abends FLIEGENDE EIER VON SARAJEVO steht Senna, die während des Bosnienkriegs (1992-95) in Deutschland geboren wurde und somit zu einer Zeit, über die niemand in ihrer Familie spricht: es existiert nur die Zeit vor dem Krieg und die danach, über das Dazwischen wird geschwiegen. Aufgewachsen zwischen zwei Kulturen, gleichzeitig Teil der Geschichte ihrer Familie und doch immer nur Beobachterin und zu einer anderen Welt gehörend, beginnt Senna mit dem Erwachsenwerden zu hinterfragen und zu begreifen.

FLIEGENDE EIER VON SARAJEVO ist eine Suche, eine Familienrecherche und die Frage nach Heimat, Herkunft und Identität. Der Abend wählt einen ganz privaten Blick auf den Bosnienkrieg im ehemaligen Jugoslawien und betrachtet seine Nach- und Auswirkungen aus der Perspektive einer Familie, die aus Bosnien und Herzegowina nach Deutschland geflohen ist. Insgesamt kamen 350.000 Menschen nach Deutschland. Die meisten kehrten nach dem Krieg zurück, an die 20.000 Menschen sind in Deutschland geblieben.

Gefördert durch ein Arbeits- und Recherchestipendium der Senatsverwaltung für Kultur und Europa | Darstellende Kunst & Tanz

Eine Produktion der Vagantenbühne Berlin

Mit
Senita Huskić, Natalie Mukherjee

Regie Fabienne Dür

Dauer: ca.90 Minuten

Pressestimmen


"Eine gute Entscheidung, hier wie in einer Sommerserie aus Sennas Perspektive erzählen zu lassen – denn aus einem erdrückenden Kriegsdrama, das uns behüteten Deutschen gern weit entfernt scheint, wird so die humorvolle, bewegende Coming-of-Age-Geschichte eines aufgeweckten Mädchens, das sich mit seiner großen Schwester zankt – und zufällig Verwandte in Bosnien hat. (...) Fabienne Dür, die zum ersten Mal auch Regie führt, verlässt sich ganz auf die Kraft der Erzählung und die ihrer Spielerinnen. Auf der Bühne nur eine Wäscheleine, an die Esma und Senna ihre auf Papier gekritzelten Erinnerungen hängen, als müssten sie erst noch eine Weile im Sommerwind trocknen. Erinnerungen an eine junge europäische Geschichte, von der das deutschsprachige Theater viel zu selten derart lebendig erzählt." – Barbara Berendt, taz, 21.07.2021


Es geht um Fragen über Herkunft und Identität, Fragen die sehr viele Leute betreffen. [...] Ich habe damals in der Schule nichts darüber gelernt." – Senita Huskić im Interview mit Silke Super, Radio Eins / rbb Kultur, 13.07.2021