Flüchtlingsgespräche

von Bertold Brecht

Fotos © Thorsten Schnorrbusch

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Dieser Text aus Brechts Nachlass, der erst 1956 veröffentlicht wurde, wurde 1962 uraufgeführt. Die Situation: Der Arbeiter Kalle und der Intellektuelle Ziffel harren in einer finnischen Bahnhofskneipe aus, bis der Krieg zu Ende ist. Währenddessen tauschen sie die vielleicht schönsten brecht'schen Weisheiten überhaupt aus: "Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandekommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird. Man kann sagen, der Mensch ist nur der mechanische Halter eines Passes. Der Pass wird ihm in die Brusttasche gesteckt wie die Aktienpakete in das Safe gesteckt werden, das an und für sich keinen Wert hat, aber Wertgegenstände enthält."

Eine Produktion des Rottstr 5 Theaters

Mit
Linus Ebner, Pascal Riedel

Regie Mizgin Bilmen

Assistenz Bünyamin Ataş, Luise Ens
Licht Simon Krämer
Fotos Thorsten Schnorrbusch
Produktion Hans Dreher, Oliver Paolo Thomas

Dauer: ca. 70 Minuten

Pressestimmen

Regisseurin Mizgin Bilmen (...) nutzt diese Konstellation, um einige der funkelnden Brechtischen Metaphern und Aphorismen zum Klingen zu bringen, von denen das Stück nur so wimmelt. (...) Immer wieder gelingt es Bilmen, auch den manchmal arg versteckten Humor in Brechts Vorlage zum Vorschein zu bringen. Dabei kann sie sich auf ihr Schauspieler-Team verlassen, insbesondere auf den großartigen Linus Ebner als Ziffel. Seine Darstellung des Intellektuellen changiert zwischen Arroganz und Selbstreflexion, zwischen Ironie und dem Selbstbewusstsein des Bildungsbürgers, zwischen Witz und Ernsthaftigkeit. Bilmen gibt Ebner die Gelegenheit zu einem eindrucksvollen Solo, in dem er Ausschnitte aus Ziffels Memoiren vorträgt, beginnend mit einer bewusst überambitioniert vorgetragenen Reflexion über die Plötzlichkeit historischer Umschwünge, sich fortsetzend mit einem rasanten Wortkonzert am Mikrofon, einem magischen, mit Hall unterlegten Wortschwall in bester Poetry Slam Manier, hin zu einer kruden Mischung aus Faust-Zitaten, Nazi-Parolen und einem Versuch über den Biohonig. (...)
Das ist ein früher Höhepunkt in einer spannenden Inszenierung, in der es ein selten gespieltes Werk des großen BB wiederzuentdecken gibt. Wer über seine dramatischen Schwächen lästert, findet es hier rehabilitiert.

Dietmar Zimmermann (THEATER PUR)