Der Tod in Venedig

nach Thomas Mann | in einer Fassung von Hans Dreher

Fotos © Sabine Michalak

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Der erfolgreiche Autor Gustav Aschenbach bricht auf, um fern seiner Heimat „das Fremde und Bezuglose“ zu suchen. Er landet in Venedig, der unheimlich-schönen Wasserstadt, in der Prunk und Verfall unzertrennlich verbunden sind. Aschenbach erkennt, dass die Begegnung mit einem Knaben, den er für göttlich schön hält, finstere, unmoralische Triebe in ihm auslöst. Unterdessen wird Venedig selbst von einer beunruhigenden Seuche heimgesucht. Die Behörden schweigen, und Aschenbach sieht sich gezwungen, selbst auf die Suche nach der Wahrheit zu gehen.
Thomas Manns Meisterwerk Der Tod in Venedig kettet das Schicksal seiner verfluchten Hauptfigur an das einer ganzen Stadt: Beide scheinen gleichermaßen dem Untergang geweiht.

Eine Produktion des Rottstr 5 Theaters

Mit Maximilian Strestik (Spiel)
Christoph Iacono (Live-Musik & Spiel)

Regie Hans Dreher

Assistenz Anne Hertel, Luisa Sadegh Nagi
Licht Simon Krämer
Fotos Sabine Michalak
Produktion Hans Dreher, Oliver Paolo Thomas

Dauer: ca. 80 Minuten

Pressestimmen

Es scheint fast so, als entfalte sich die Komik des vermeintlich humorlosen Textes ganz von allein – wo sich Strestiks Spiel und Iancos Musik auf den Text draufsetzen und ihn seine Komik entfalten lassen, da erkennt das Publikum die parodistische Intention Manns. Doch wo sich die beiden Akteure auf der Bühne weit vom Text entfernen, bleibt auch der ernste Unterton nicht außer Acht. Die Brisanz der verhandelten Themen ist unübersehbar.

In einem beachtlichen Balanceakt schafft es diese Inszenierung, dem Text seinen Humor zurückzugeben und ihn mitsamt seinem Inhalt genau so ernst zu nehmen, wie es ihm gebührt. (Ruhr Nachrichten)

Dreher hat Manns verschachtelte Bandwurmsätze und komplexe sprachliche Konstruktionen entwirrt und dadurch leichter zugänglich gemacht, aber die wunderbar elegante und elegische Sprachmelodie beibehalten. Einige verstiegene Beschreibungen banaler Alltagsvorgänge haben sich Dreher und Strestik dennoch gegönnt – ganz ernsthaft werden sie gesprochen, doch an der Art, wie sie ausgestellt werden, erahnt man ein minimal ironisches, aber maximal liebevolles Schmunzeln.

Das Zusammenspiel dieser vier Komponenten – Schauspiel, Musik, Textfassung und Licht – entwickelt von Beginn an sogartige Kraft. (Theater Pur)

Strestik ist von starker Präsenz, die in Momente von kaum auszuhaltender Intensität ausbricht. Gewaltig sein Wutausbruch, als sein Gepäck nach der geplanten Abreise verbaselt wird, subtil der Humor, als sich der ergrauende Autor beim Friseur die Haare jugendlich schwarz färben und sich das Gesicht schminken lässt. Manche Szenen mit Iacono haben beinahe Slapstick-Charakter. Das Erstaunliche ist aber, dass ein Werk, dessen Ausgang als bekannt vorausgesetzt werden darf, so spannend inszeniert werden kann. (WAZ)

Aschenbach verkommt mehr und mehr zum grotesken Clown – und je weiter es mit ihm abwärts geht, desto fesselnder ist das Spiel auf der Bühne. Mit der eindrucksvollen Livemusik, ebenfalls vom Allrounder des Abends Christoph Iacono, dem düsteren Licht und Strestiks wunderbar-verzweifeltem Spiel fühlt man sich fast selbst durch die engen, stinkenden Gassen der verwesenden Wasserstadt taumeln. Ein geniales Erlebnis, das man mitten in Bochum wohl selten hat – und wenn, dann in der Rottstraße 5. (COOLIBRI)