AMERICAN PSYCHO

Rottstr 5 Theater in Bochum | AMERICAN PSYCHO [Foto © Sabine Michalak]

frei nach ELLIS/HARRON
IN EINER FASSUNG VON HANS DREHER


mit
Felix Lampert
Ronja Sczepanski

Regie: Hans Dreher

Regieassistenz: Awa Winkel, Lukas Vogelsang
Fotos: Sabine Michalak

 Premiere: 12. August 2015  

American Psycho | Rottstr 5 Theater | Trailer from ROTTSTR5THEATER on YouTube.
    

 

Du bist noch keine dreißig. Privatschule, Eliteuniversität, Spitzenjob in Spitzenfirma. Lunch mit Kollegen in den exklusivsten Restaurants.
Wartezeit mehrere Monate, doch du kennst den Maître. Die Rechnung beträgt mehrere hundert Dollar  - Du zahlst sie mit der Platin-AmEx.
Kubanische Zigarren, Havanna Club, Fitnessclub, Yachtclub.
12-Dollar-Kaffee. 60-Dollar-Club Sandwiches. 250-Dollar-Haarschnitte.
Eine ungeklärte Mordserie im Obdachlosenmilieu.
Verletzte Prostituierte warten auf Behandlung in der Notfallklinik. Ihre Taschen sind voll von Schweigegeld.
Mehrere Kollegen sind spurlos verschwunden. Auf Geschäftsreise, sagt man.
Ist das Böse etwas, was man ist? Oder ist es das, was man tut?

 

Pressestimmen

Sind die Höllenfahrten des Massenmörders Realität oder Phantasie? Diese Frage wird in Hans Drehers kraftvoller, so mitreißender wie erschütternder Inszenierung deutlicher angesprochen als in Buch und Film. Erneut setzt das ROTTSTR5 Theater einen ganz starken Akzent in der NRW-Theaterlandschaft.

Felix Lampert, eine der Anchor Persons des ohne festes Ensemble arbeitenden ROTTSTR5 Theaters und seit der Gründung der kleinen Off-Bühne im Jahre 2009 dabei, ist mit dem für diesen Schauspieler typischen intensiven flackernden Blick eine Idealbesetzung. Zu Beginn
der Inszenierung verkörpert er den Bateman als perfekte Kopie von Christian Bale in Mary Harrons Film. Großartig trifft er die Arroganz des perfekt gestylten, aber emotional unterbelichteten Bankers; mit gleicher Arroganz spricht Lampert beim Sex mit der Prostituierten
Patricia von seinem mangelnden Wunsch, sie zu töten. Mehr und mehr bricht sich der Wahnsinn in seinen Bewegungen, seiner Sprache und seinem Blick Bahn.

Theater Pur

Was real, was reine Fantasie ist, bleibt wie im Roman und im Film offen. Aber diese Ambivalenz ist nun keine Frage mehr von Moral oder Satire, sondern ein philosophisches Paradoxon. Der Wahnsinn und zugleich die Unsicherheit, ob es unter Batemans perfekter Oberfläche noch so etwas wie menschliche Regungen gibt, flackern von Anfang an in Felix Lamperts Augen. Und auch die junge Ronja Sczepanski, die aus dem Jugendclub des Rottsr5 Theaters kommt, kann ihm keinen Halt geben. Sie spielt alle
andere Figuren und ist damit selbst eine Wanderin zwischen Welten, die nicht zusammenkommen. So gewinnt das erste Bild, dieses Gleiten über die Plastikplane, mit der Zeit eine ganz andere Bedeutung. Drehers "American Psycho" und Lamperts mal fast schlafwandlerische und dann wieder manische Performance sind eine einzige intellektuelle Rutschpartie, die nach dem Wesen des Bösen fragt.

Nachtkritik.de

Überhaupt Felix Lampert: Wie körperlich er seinen Bateman spielt, grenzt schon fast an Selbstzerstörung. Zwischen eiskalter Berechnung und schierem Wahnsinn spielt sich Lampert in eine gefühlte Ekstase und lässt die Zuschauer erschüttert zurück. Auch weil die Sehnsucht nach einem Inhalt für die gefühlte Leere so gut verständlich ist. Gegen seinen Schauspiel-Orkan kann Ronja Sczepanski, die sämtliche anderen Rollen des Stücks übernimmt, zwangsläufig nur blass wirken. Doch auch sie kann punkten und empfiehlt sich zunehmend für immer größere Rollen. Es ist schön zu sehen, wie gut das Rottstr 5 Theater über die letzten Jahre geworden ist. Zwar immer noch ein kleines Off-Theater spielt es qualitativ längst mit den etablierten Häusern dieser Stadt in einer Liga. Mit „American Psycho“ haben Hans Dreher und sein Team jedenfalls ein Stück auf die Beine gestellt, das eine der „must see“-Produktionen des Jahres ist.

Ruhr Nachrichten

Felix Lampert gibt den virilen Mordskannibalen intensiv, fast als One-Man-Show. Er trägt beinahe die gesamte  wortgewaltige Vorstellung. Stark. Die zierliche Ronja Sczepanski übernimmt Nebenrollen: Sekretärin, Geliebte, Detektiv. Ihr Spiel hat Zukunft.

Lang anhaltender Applaus.

WAZ